Unter Absentismus im Bereich des Personalwesens ist hauptsächlich die Fehlzeit, also das nicht erscheinen am Arbeitsplatz, von Mitarbeitern gemeint. Die Gründe für diese Fehlzeiten können neben planmäßigem Fernbleiben vor allem eine tatsächliche Krankheit mit Attest eines Arztes aber auch bei Problemen im Privatleben bedeuten.
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen variiert die Häufigkeit von Erkrankungen allgemein mit dem Lebensalter, dem Geschlecht und der beruflichen und sozialen Lage der Beschäftigten (Bundesinnenministerium, bmi). Insbesondere ist hier die Frage interessant, welche Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei Fehlzeiten existieren und welche Ursachen dafür in Frage kommen.
Eine Erhebung unter den Beamten in Deutschland 2006 hat deutlich gezeigt, das Frauen öfter krankheitsbedingt von der Arbeitsstelle fernbleiben als Männer. Somit ergeben sich bei weiblichen Beamten eine höhere Fehlzeit von 1,8 Tagen im Jahre 2006. Der Wert liegt ca. 12% höher als bei den männlichen Beamten. Vergleichbare Zahlen der AOK zeigen ein ähnliches Ergebnis.
Natürlich geben diese statistischen Ergebnisse keinen Einblick in die Gründe für diesen Unterschied. Die Gründe können durch individuelle Lebensumstände, Lebensführung aber auch durch die Stellengestaltung im Unternehmen beeinflusst werden.
Bei genauerer Betrachtung lässt sich jedoch erkennen, dass Frauen und Männer unterschiedliche Krankheitsmuster und Bewältigungsstrategien aufweisen. Die Ursache liegt zum einen in der unterschiedlichen biologischen Konstitution von Frauen und Männern, vor allem aber in ihren verschiedenen Lebenslagen (sozio-ökonomische Faktoren, Bildungs- und Informationsstand). Auf Frauen fallen zudem besondere gesundheitliche Belastungen bei Schwangerschaften , Menstruationsbeschwerden und den Wechseljahren ins Gewicht. Frauen sind zudem besonders krebsgefährdet, allem voran mit Brustkrebs. Auch die fast ausschließlich bei Frauen aufkommende Osteoporose scheint mit dem anhaltenden demografischen Wandel häufiger aufzutreten. Derzeit liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen im Laufe ihres Lebens eine Osteoporose erleiden, bei etwa 15 %.
Selbst die Thematik der psychischen Gesundheit bewältigen Frauen anders als Männer. Gerade Depressionen wirken sich auf Frauen anders aus als auf Männer. Die drücken Depressionen oft mit Aggressivität und Frust aus, wogegen Frauen häufig unter Antriebslosigkeit leiden und psychosomatische Krankheitssymptome erleiden. Fakten zeigen das 15% aller Frauen im Laufe eines Jahres eine depressive Phase erleiden, und auf 10% unter einer Angsterkrankung leiden.
Schon 1995 wurde auf der 4. Weltfrauenkonferenz darauf aufmerksam gemacht, dass in der klassischen Medizin der Mensch als homogenes Ganzes betrachtet wird und leider keine Unterschiede in der Behandlungsmethodik und Forschung gemacht wird. Dabei wurde der Begriff „Gender-Mainstreaming“ geprägt, der als Initiative den Fokus auf eine zielgerichtete Behandlung von Frauen richtet.
Eine neutrale Betrachtung allein über die Statistik des Absentismus ist somit wenig hilfreich, denn einem Unternehmen fällt hier nicht nur entgangene Arbeitsleistung zu Buche, sondern auch die Verantwortung, die Arbeitsplatzgestaltung und auch Krankheitsprävention geschlechtsspezifisch zu gestalten. Durch eine präventive Versorgung und Anpassung der Stellen an die Gegebenheiten von weiblichen Mitarbeitern würde es ermöglichen, den geschlechtsspezifischen Unterschied bei Fehlzeiten zu minimieren, wenn nicht sogar zu egalisieren.
Natürlich ist dies eine enorme Herausforderung für ein Unternehmen, insbesondere für das Personalmanagement. Es empfiehlt sich, eine professionelle Beratung über dieses Thema zu bekommen. Dadurch können Strategien erarbeitet werden, die gesundheitsfördernde Maßnahmen speziell für weibliche Mitarbeiter vorsehen, ohne selbstverständlich die Gesundheitsförderung der männlichen Mitarbeiter zu vernachlässigen. Große gesetzliche Krankenkassen bieten zudem seit einigen Jahren umfangreiche Programme und Workshops speziell für Unternehmen an, um sich der Herausforderung stellen zu können, jedem Mitarbeiter die bestmögliche Unterstützung zu geben. Auf diese Weise bleibt die Belegschaft dauerhaft gesund und kann produktiv zum Erfolg des Unternehmens beitragen.
